Nun, ich habe lange überlegt, diesen 2. Teil zu schreiben. Denn ein richtiges Happyend gab es für mich nicht!
Aber ich habe ihn angekündigt und habe auch daraus gelernt.Aber jetzt von Anfang an. Nachdem ich die brütenden Eisvögel erstmal einige Tage habe in Ruhe gelassen, sollte ich bei meinem nächsten Besuch eine große Enttäuschung erleben. Was war passiert. Ich legte mich wie immer in meinen Ansitz und es dauerte auch nicht lang, bis das Männchen wieder dort aufkreuzte. Ich wunderte mich, dass er weder in die Bruthöhle flog, noch mit kleinen Fischen dort erschien, um eventuell die bereits geschlüpften Jungvögel zu füttern.

 

Er saß einfach still und leise auf seinem Ansitz und zeigte keine großen Aktivitäten. Auch kam es mir komisch vor, immer nur das Männchen dort anzutreffen. Ich beschloss, mir die Sache erstmal aus sicherer Entfernung mit einem Fernglas anzuschauen. In den folgenden Tagen besuchte ich die Stelle jeden Tag und es bot sich mir immer das gleiche Bild. Das Männchen saß stundenlang vor der Bruthöhle, bei Wind und Wetter. Kein einiges Mal konnte ich das Weibchen sehen. Auch ein Besuch zu verschiedenen Tageszeiten brachte keinen Erfolg. In mir steig eine gewisse Ahnung auf und diese sollte sich im weiteren Verlauf bestätigen. Irgend etwas ist dort passiert. Das Weibchen war weg oder im schlimmsten Fall verendet. Ich kann es nicht sagen!

 
Wartet auf ein neues WeinchenIn den weiteren Wochen hat sich nichts geändert. Das Männchen saß vor der Bruthöhle und wartete - es sah fast aus als würde er trauern. Selbst bei starkem Regen saß er regungslos auf seinem Ast und harrte aus.
 
Meine Enttäuschung war natürlich sehr groß und ich beschloss, die Stelle erstmal 2 Wochen nicht mehr zu besuchen. Meine Motivation war eigentlich auch sehr gering, wollte ich doch die Jungvögel mal erleben. Dieser Traum war erstmal außer Reichweite.
 
Einige Wochen später wollte ich noch mal nach dem Männchen schauen, ob es überhaupt noch da war. Ich begab mich wieder an die besagte Stelle in angemessener Entfernung und beobachtete den Ansitz mit dem Fernglas. Doch irgend etwas war anders als sonst.
Wie gewohnt flog das Männchen seinen gewohnten Ansitz an. Plötzlich hörte ich das durchdringende Kreischen eines weiteren Eisvogels, der direkt in eine von mehreren Bruthöhlen flog und dort verschwand. Meine Begeisterung war sehr groß und ich musste einen Jubelschrei unterdrücken. Hatte doch tatsächlich ein neues Weibchen ins Revier gefunden. 
 
Meine Motivation stieg sprunghaft an, nun vielleicht doch noch mein Ziel zu erreichen, den ersten Ausflug der Jungvögel erleben zu dürfen. Nun war es für mich sehr schwer zu bestimmen, ob das Weibchen überhaupt schon Eier gelegt hat oder wie weit eventuell die Brut schon ist. Ich konnte beobachten, dass die Altvögel jetzt regelmäßig und abwechselnd in die Bruthöhle flogen.  In den kommenden Tagen konnte ich aus der Entfernung auch beobachten, dass das Männchen immer wieder mit kleinen Fischen in die Bruthöhle flog. Es war es also soweit. Die jungen mussten geschlüpft sein! Ich beschloss, trotz großer Versuchung nicht meinen Ansitz in ca. 3 Meter Entfernung zur Bruthöhle zu besuchen. Das tat wirklich weh. Die Gefahr, dass wieder etwas passieren könnte, war mir einfach zu groß. Zudem kam meine große Unerfahrenheit zum tragen. Ich konnte mangels Erfahrungen nicht einschätzen, wie die Altvögel reagieren, wenn sie mich dort entdeckten. Das Risiko war mir zu groß. Ich wollte erst noch ein paar Tage abwarten, wie sich alles entwickelt.
 
Ca. eine Woche später machte ich dann den ersten vorsichtigen Versuch, mich in meinen Ansitz zu schleichen. Wichtig dabei war, vorher erst die Umgebung zu beobachten, ob die Altvögel irgendwo sitzen und mich beobachten. Es ist immer ein Risiko, sich in die Nähe der Bruthöhle zu wagen. Ich habe dort ja schon ein paar Wochen nicht mehr gelegen und das Männchen, welches sich ja schon daran gewöhnt hatte, war sicher jetzt wieder wild. Meine Vorsicht sollte belohnt werden und ich konnte an dem Tag noch einige schöne Aufnahmen und Videos machen. Es ging alles gut und das Männchen flog in kurzen Abständen mit kleinen Fischen in die Bruthöhle. Das Weibchen habe ich in der Zeit eher selten gesehen. Sie flog meistens direkt aus der Bruthöhle weg und flog auch direkt wieder hinein, ohne sich großartig vorher auf einem Ansitz aufzuhalten.
 
Aus privaten Gründen konnte ich meinen Ansitz leider nicht so oft besuchen, wie es wahrscheinlich nötig gewesen wäre. Als ich nach einiger Zeit mal wieder meinen Ansitz aufsuchte, war es ziemlich ruhig dort. Kein Eisvogel in Sicht. Keinen Laut konnte ich wahrnehmen. Die Eisvögel waren ausgezogen! Zu spät! Wieder habe ich den ersten Ausflug der Jungvögel verpasst. Stundenlang beobachtete ich den Bereich der Bruthöhle, aber keiner der Eisvögel flog den Ansitz der Bruthöhle an. In weiter Entfernung konnte ich ab und zu ein Geschwader beobachten, wie sie laut trillernd flach über dem Wasser ihre Bahnen zogen. Ein Geräusch, dass ich kannte. 
Nun, die Freude, dass es doch noch eine Brut in diesem Jahr gab war groß. An diesem Tag konnte ich eine Gruppe von 5 Eisvögeln beobachten. Einige Tage später, bei meinem nächsten Besuch, war dann absolute Ruhe. Das Männchen hatte die Jungvögel wohl aus seinem Revier vertrieben und das Weibchen hatte ich auch nirgendwo entdecken können. In der Hoffnung, dass möglichst viele der Jungvögel ein eigenes Revier finden und überleben, werde ich im nächsten Jahr diese Stelle wieder aufsuchen und dann hoffentlich die Fotos machen können, auf die ich schon so lange gewartet habe.

 

Bitte auf 1080p einstellen!

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ich hoffe, dass ich einen kleinen Einblick über meine Erfahrungen geben konnte und möchte diesen Bericht jetzt abschließen. Vielleicht kann der eine oder andere wertvolle Informationen gewinnen, vielleicht kann ich auch dazu beitragen, angehenden Eisvogelfotografen vor Anfängerfehlern zu bewahren. Der Eisvogel wird es uns danken!
Ja, leider kein Happyend für mich, aber für die Eisvogelpopulation sicher schon. Und das ist auch das Wichtigste. Als Resümee kann ich mit der heutigen Erfahrung einschätzen,    wie sensibel und vorsichtig man ans Werk gehen muss, um solche Fotos zu machen, wie sie im Internet oftmals zu sehen sind. Nur wer es selbst mal versucht hat, solche Bilder zu machen, kann die Schwierigkeiten beurteilen. Nur all zu oft werden die Fotos vom "fliegenden Edelstein" überscrollt und finden meiner Meinung nach einfach zu wenig Beachtung. Auf der anderen Seite ist es aber auch gut so, denn nicht viele Fotografen werden und wollen diesen Aufwand betreiben, der Notwendig ist, um "ansprechende" Fotos vom Kingfisher zu zeigen. Es ist und bleibt eine Wissenschaft für sich und jeder, der dem Eisvogel hinterher jagt, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein, damit wir diesen wundervollen Vogel noch lange in unseren Regionen finden. Aus meiner Sicht noch wichtiger ist es, den Lebensraum des Eisvogels zu erhalten und zu 

 

An dieser Stelle noch einen lieben Dank an viele Freunde, die ich über die sozialen Netzwerke kennen gelernt habe und von denen ich wertvolle Informationen bekommen habe. Der Austausch ist ungemein wichtig und auch ich werde gern Auskünfte über meine gesammelten Erfahrungen geben. Fragt einfach nach oder postet es einfach als Kommentar unter diesen Blogeintrag, damit andere auch davon profitieren können.

 

Bis dann und liebe Grüße

Andreas

 

 

 

 

Einen Kommentar verfassen

Als Gast kommentieren

0